CDU feiert den Landesgeburtstag - Altministerpräsident Erwin Teufel (CDU) spricht vor mehreren hundert Gästen in der Aula der Hochschule

Aalener Nachrichten, 24.04.2012, Ulrich Geßler

Aalen / ug Es war wie ein großes Familienfest. Landtagsabgeordneter Winfried Mack hatte eingeladen, und die CDU-Mitglieder strömten. Etliche Hundert füllten die Aula der Aalener Hochschule, um mit Gästen auch aus dem anderen politischen Lager, aus der Wirtschaft und von den Kirchen das Landesjubiläum „60 Jahre Baden-Württemberg“ zu feiern. Es war zugleich ein wenig ein Abend des Schulterklopfens. Immerhin hat die Union das Land 56 Jahre geführt – allein und mit Partnern. Da tut ein bisschen Eigenlob natürlich gut. Zumal für eine Partei, die erstmals in den sechs Jahrzehnten die Oppostionsbank drückt.

In seiner weit über einstündigen Festrede bettete Altlandesvater Erwin Teufel die erfolgreiche Entwicklung Baden-Württembergs in die Entwicklung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Dass es mit diesem Land so aufwärts ging, machte er an zwei Dingen fest: Erstens an der Politik der Westorientierung als Voraussetzung für die längste Friedenszeit in der deutschen Geschichte und zweitens an der sozialen Marktwirtschaft. Dieses System stärke nicht nur die großen Unternehmen, sondern den gerade in Baden-Württemberg stark vertretenen Mittelstand. Als bedeutende Errungenschaft bezeichnete er das Bildungsangebot. Insbesondere die duale Ausbildung lobte er als das beste Ausbildungssystem der Welt. An dieser Stelle nutzte Teufel die Gelegenheit, eine Lanze für die Haupt- und Realschulen zu brechen und mithin für ein durchlässiges Bildungsangebot. Unverständnis äußerte er hier für die Politik der aktuellen Landesregierung, die seiner Ansicht weniger erfolgreiche Bildungssysteme aus den nördlichen Bundesländern importiert.

Sich als Baden-Württemberger, als Deutscher und genauso als Europäer zu fühlen, ist für Teufel wichtig. Das bedeute jedoch nicht, die eigene landsmannschaftliche Identität etwa als Ostälbler aufzugeben. Im Gegenteil. Die Einheit in der Vielfalt sieht er als Stärke der Menschen im Land der Talente und Patente. Mit dieser Markenbezeichnung machte der CDU-Politiker, der 14 Jahre Ministerpräsident dieses Bundeslandes war und insgesamt 34 Jahre dem Landtag angehörte, Landrat Klaus Pavel glücklich. Ostwürttemberg hatte als Raum der Talente und Patente für sich vor Jahren in Berlin geworben.

Teufel war am Montagabend auch der Mahner, der dem Bündnis mit den USA weiterhin große Bedeutung beimaß, und der die 28 in der EU zusammengeschlossenen Länder aufforderte mit einer Stimme zu sprechen. Nur dann fänden sie Beachtung.

Den Abend eröffnete Gastgeber Winfried Mack, der daran erinnerte, dass
Baden-Württemberg die einzige Neugründung eines Bundeslandes nach 1945 ist. Wie sein Ziehvater Erwin Teufel lobte er das große bürgerschaftliche Engagement. Einige Stunden Bundespolitik in Berlin schwänzte Roderich Kiesewetter. Der Bundestagsabgeordnete nahm lieber den Nachtzug in die Bundeshauptstadt, um einige Stunden mitzufeiern. Er hob in seiner Rede den Zusammenhalt zwischen Badenern und Württembergern hervor. Die Erfolgsgeschichte Baden-Württembergs habe auch etwas mit der Bildungspolitik zu tun, sagte der Hausherr, Prorektor Professor Alexander Haubrock. Musikalisch gestaltete das Manfred Schiegl-Quartett das Jubiläumsfest.
 

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